Jean-Michel Othoniel

In den frühen neunziger Jahren begann der französische Künstler Jean-Michel Othoniel (*1964), mit Glas zu arbeiten. Überdimensional große Perlen aus durchscheinendem oder opakem farbigen Glas verbindet Othoniel zu monumentalen Ketten, die in den Ästen von Bäumen oder an Gebäudefassaden ihre luxuriöse Pracht entfalten. Blasen aus kostbarem Muranoglas und feine Metallringe kombiniert der in Paris lebende Künstler zu zartgliedrigen Bettgestellen („Mon Lit“, 2002) oder fragilen Kronen („Kiosque de Noctambules“, 2000). Das Gerüst aus Glasperlen, das Othoniel für die Plastik „Le Bateau de Larmes“ (2004) auf ein einfaches Holzboot montierte, soll das Leid und die Tränen kubanischer Bootsflüchtlinge versinnbildlichen. Der transluzide Charakter des Glases entspricht dem typischen Erscheinungsbild von Aquarellfarbe, die Othoniel bevorzugt zur Skizzierung seiner Projekte und Ideen einsetzt. Seine zahlreichen Aquarelle stellen bereits ein eigenständiges Œuvre dar, das die künstlerische Fantasie Othoniels spiegelt.