Thomas Demand

Thomas Demand | Deutschland | „Presidency I“ | 2008 | 223 cm x 310 cm | Gerahmter Tintenstrahldruck auf Silbertuch

Orte, die in der öffentlichen Erinnerung mit bedeutenden Ereignissen der Geschichte verbunden werden, stehen im Mittelpunkt des fotografischen Œuvres des deutschen Künstlers Thomas Demand (*1964). Der in Berlin lebende Künstler baut diese Orte hochrealistisch aus Papier und Pappe nach, fotografiert die Modelle und zerstört diese im Anschluss. Es bleiben Serien großformatiger Farbfotografien, Abbildungen von plastischen Repräsentationen vermeintlich realer Orte, die Demand ohne Figuren oder szenische Elemente darstellt und deren erzählerische oder memoriale Qualität erst durch die Erinnerung des Betrachters hinzugefügt wird. So schuf Demand 2008 im Auftrag des New York Times Magazine die Serie „Presidency“, ein Tableau aus fünf Fotografien des nachgebauten Oval Office des amerikanischen Präsidenten. Aus Anlass der 2008 abgehaltenen Präsidentschaftswahl wählte das Magazin für seine Titelseite eines der Fotos des berühmten Büros, wobei offen bleibt, wer den Schreibtischstuhl und damit die Schaltzentrale der politischen Macht besetzt. Demand, der für den Bau seiner Modelle auf Bildvorlagen aus den Medien angewiesen ist, nutzt die historische Aufladung der gewählten Orte und spielt mit ihrer Aura und dem Illusionismus ihrer Repräsentation. Die Montblanc Kulturstiftung erwarb aus dieser Serie die Arbeit „Presidency I“, die 2010 als Dauerleihgabe an die Galerie der Gegenwart der Hamburger Kunsthalle überging.